Antriebswelle : Manschetten ersetzen, Gleichlaufgelenke ersetzen

Die beiden Antriebswellen übertragen die Drehbewegung vom Getriebe auf die Vorderräder. Damit das angetriebene Rad allen erforderlichen Lenk- und Federbewegungen folgen kann, besitzen die Antriebswellen an jedem Ende ein spezielles Kugelgelenk. Das radseitige Gelenk ist ein sog. Gleichlaufgelenk, das nach vorn und hinten sowie nach oben und unten besonders "gelenkig" ist und somit das Einschlagen der Lenkung und Federbewegungen durch Bodenunebenheiten ausgleicht.
Den notwendigen Längenausgleich der Antriebswelle in allen Situationen stellt da getriebeseitige Verschiebegelenk sicher. Es ist zu den Seiten relativ wenig beweglich, dafür gleicht es aber die Länge der Welle in einem Bereich von fast 5 cm (also axial) aus.

Das Bild zeigt die ausgebaute linke Antriebswelle des Audi.

Am linken Ende der Welle befindet sich das getriebeseitige Verschiebegelenk, am rechten Ende das radseitige Gelenk mit dem kerbverzahnten Gelenkzapfen, der sonst in der Radnabe steckt. Die Gelenke sind durch faltenbalgartige Gummimanschetten vor Feuchtigkeit und Schmutz geschützt. Diese Manschetten altern im Lauf der Jahre und Kilometer und können porös werden bzw. schließlich zerreißen. Dann wird durch die Drehbewegung das im Gelenk enthaltene Schmierfett herausgeschleudert und bewirkt eine ordentliche Sauerei, schlimmer aber ist, daß durch Schmutz und Nässe die Gelenke sehr bald ausschlagen - und die sind nicht billig! Aus diesem Grund empfiehlt es sich die Manschetten spätestens alle 15.000 km genau zu untersuchen, idealrweise, wenn die Wartungsarbeiten am Fahrzeug durchgeführt werden. Eine poröse Manschette muß nicht sofort gewechselt werden, wenn man sie regelmäßig beobachtet. Wenn sie aber schon Risse hat (man sieht dies auch an Fettspuren auf der Manschette), sollte man sie baldigst ersetzen.

Antriebswellen machen gewöhnlich selten Probleme. Ausgeschlagene Gelenke machen durch Geräusche (klack-klack-klack) auf sich aufmerksam, besonders beim Anfahren mit stark eingeschlagenen Rädern. Grob kann man probieren, ob die eingebaute Antriebswelle Spiel hat.
Bei einem ausgeschlagenen Gelenk ist im ausgebauten Zustand Spiel fühlbar.
Neue Gelenke oder gar die ganze Welle sind unerfreulich teuer (Gelenk min. 100€, Welle ab dem zweieinhalbfachen). Sollte Ersatz notwendig werden, ist es zumindest eine Überlegung wert, ein gebrauchtes Teil zu besorgen. Am besten die alte Welle zwecks Vergleich (und Entsorgung) zum Schrottplatz mitnehmen. Bei der "neuen gebrauchten" unbedingt prüfen, daß kein Spiel vorhanden ist! Antriebswelle ausbauen und zerlegen Um Gelenke oder Manschetten zu ersetzen, muß die Antriebswelle ausgebaut und zerlegt werden. Benötigt werden zusätzlich zum "Routinewerkzeug" eine hochwertige stabile Stecknuß SW 32 mm für die Achsmutter (in der Mitte des Rades) und ein Vielzahnschlüssel SW 8 mm.
Bei einigen Autos ist auch eine 30er Achsmutter verbaut, also vor dem Kauf der Nuß nachmessen. Im eigenen Interesse keine 1€50-Nuß nehmen, denn die Achsmutter sitzt verteufelt fest und wenn man sie erstmal rundgedreht hat wird es schwierig. Zuerst muß die große Achsmutter gelöst werden. Dies geht nur mit einem sehr langen Schlüssel (die 20 cm lange Handratsche kann man vergessen) und darf nur erfolgen wenn der Wagen mit allen vier Rädern fest auf dem Boden steht, Handbremse anziehen, 1. Gang einlegen! Unfallgefahr!
Mit langem Schlüssel (z.B. Drehmomentschlüssel) und Stecknuß die Mutter lösen (notfalls mit einem kräftigen Tritt auf den Hebelarm!). Vorsicht daß der Schlüssel nicht abrutscht und die Mutter runddreht! Erst danach Fahrzeug aufbocken, daß das Rad frei drehbar ist (Gang kann eingelegt bleiben wegen Differential) und Fahrzeug sichern. Rad nicht abschrauben!

 

Jetzt wird die Antriebswelle getriebeseitig abmontiert. Sie ist dort mit insgesamt sechs Vielzahlschrauben befestigt. Bevor man die Schrauben löst, muß der Vielzahn anständig gereinigt werden. Schlüssel am besten vorsichtig mit dem Hammer eintreiben, damit er ganz in den Vielzahn eindringt und man beim Schrauben die Verzahnung nicht beschädigt! Ein rundgemachter Vielzahn kann einem die Freude am Basteln gehörig versauen!
 

Im Bild sieht man drei der Vielzahnschrauben (die hier allerdings neu sind). Zum Lösen der Schrauben das Rad von vorne mit einem Holzkeil festklemmen. Wenn die Schraube gelöst ist, Keil wegnehmen, Welle weiterdrehen, festkeilen, nächste Schraube. Die drei Metall-Unterlegplatten nicht verlieren. Danach kann man die Welle am Getriebe nach oben drücken. Sie wird oberhalb des Getriebes mit Draht befestigt. Nun muß die Welle aus der Radnabe gedrückt werden. Die Werkstatt benutzt einen Spezialabzieher, es geht aber auch mit kräftigen Hammerschlägen. Vor dem Hämmern die Achsmutter wieder ein Stück weit auf den Zapfen aufschrauben, damit das Gewinde nicht beschädigt wird. Man hämmert nicht direkt auf die Welle, sondern mit einem geeigneten starken Dorn, z.B. der Verlängerung aus dem Ratschenkasten. Dabei unbedingt auf "Freigang" des getriebeseitigen Endes achten.
Anschließend die Achsmutter wieder abnehmen, Welle herausnehmen. Vorsicht, Gewicht nicht unterschätzen ! Antriebswelle zerlegen Zum Ersatz von Gelenken oder Manschetten muß das jeweilige Gelenk von der Manschette getrennt werden. Zu diesem Zweck muß die Welle in einen stabilen Schraubstock eingespannt werden, denn jetzt wird einige "wohldosierte" Gewalt erforderlich. Den Arbeitsplatz vorher gründlich mit alten Zeitungen auslegen, denn das spezielle Hochtemperaturfett ist extrem schmierig und hartnäckig Neue Manschetten sind im kompletten Satz erhältlich, dieser besteht aus Manschette, zwei Schlauchbindern, einer neuen Achsmutter, einem Sicherungsring und der für das jeweilige Gelenk notwendigen Menge Spezialfett.

Die Schlauchbinder der jeweiligen Manschette mit geeignetem Werkzeug auftrennen und Manschette zurückschieben. Vorsicht, schmutzig! Mit einem alten Pinsel das alte Fett aus dem Gelenk herausstreichen. Im radseitigen Gelenk sitzt innen ein Sicherungsring, der mit einem breiten Schraubenzieher bis zum Anschlag gespreizt und in dieser Stellung (durch einen Helfer) gehalten werden muß. Dann das Gelenk von der Welle herunterschlagen. Dazu einen Hammer von etwa 500 gr mit seiner Spitze auf die innere Gelenknabe setzen und auf dessen Rückseite mit einem 1,5 kg-Hammer kräftig schlagen ("druffkloppe"). Dabei darauf achten, daß der Sicherungsring nicht verklemmt! Wenn er verklemmt, Gelenk wieder ein Stück auftreiben (s.u.). Achtung! Ausschließlich auf die innere Gelenknabe schlagen, niemals auf den Kugelkäfig oder den äußeren Gelenkteil - sonst wird das Gelenk beschädigt. Vorsicht auch, daß die Kugeln nicht herausfallen - sonst kommt eine unangenehme Fummelarbeit auf einen zu. 1 - Kerbverzahnte Aufnahme für die Welle, 2 - innere Gelenknabe, 3 - Kugelkäfig, 4 - Gelenkkugeln, 5 - Werkzeug zeigt auf den Sicherungsring, dessen Enden rot markiert sind und gespreizt werden müssen, 6 - äußerer Gelenkteil Alte Manschette von der Welle ziehen, kleinen Schlauchbinder auf die Welle schieben und neue Manschette aufsetzen. 1 - Welle im Schraubstock eingespannt, 2 - abmontiertes radseitiges Gelenk, 3 - Achsmanschette Wenn Schmutz in das Gelenk eingedrungen ist, das Gelenk mit Waschbenzin auswaschen und abtrocknen lassen. Dann kann das Gelenk wieder aufgetrieben werden. Dazu die alte Achsmutter ein Stück weit auf den Stumpf aufdrehen. Neuen Sicherungsring in das Gelenk einsetzen und Gelenk auf die Antriebswelle aufsetzen. Mit gleichmäßigen kräftigen Hammerschlägen auf die Mutter das Gelenk auf die Welle auftreiben, bis der Sicherungsring einrastet und frei beweglich ist. Dann die mitgelieferte Fettmenge in das Gelenk, den Rest in die Manschette drücken.
Fettmengen: 90 gr beim Vierzylinder, beim Fünfzylinder getriebeseits 120 gr und 90 gr radseits. Manschette aufschieben, Schlauchbinder auflegen und festklemmen. Dann die Schlauchbinder mit einer (am besten stumpfen) Kneifzange verquetschen.Das getriebeseitige Gelenk wird nach dem gleichen Prinzip abgenommen. Hier sitzt allerdings einSicherungsring außen auf der Welle (und nicht innen im Gelenk!), der gespreizt und abgenommen werden muß. Dann Gelenk herunterschlagen, Manschette erneuern. Hier wird kein Schlauchbinder eingesetzt. Beim Abnehmen und Auftreiben des Gelenks ebenfalls nur auf die innere Gelenknabe schlagen! Der Wiedereinbau der Welle
ist jetzt unproblematisch. Die Audi-Werkstatt trägt auf die Kerbverzahnung des radseitigen Gelenks zuerst Sicherungsmittel D6 auf, aber es geht auch ohne. Die Welle wird zuerst in die Radnabe gesteckt und dann am Getriebe wiederangeschraubt. Dabei die drei Metallunterlegplatten nicht vergessen! Nicht mehr ganz intakte Vielzahnschrauben sollten im eigenen Interesse durch neue ersetzt werden (für den nächsten Ausbau). Die Schrauben gleichmäßig über Kreuz bis auf 45 Nm anziehen (10 mm Vielzahnschrauben auf 80 Nm), dabei Rad von hinten mit Holzkeil gegen Wegdrehen sichern. Danach das Fahrzeug wieder abbocken. Erst wenn der Audi wieder fest auf dem Boden steht, die neue Achsmutter aufdrehen. Sie soll mit 280 Nm angezogen werden. Wenn der eigene Drehmomentschlüssel nur bis 200 Nm reicht, zieht man bis zum Anschlag an und dreht noch etwa eine viertel bis eine halbe Umdrehung weiter. Im Notfall anziehen, "bis es nicht mehr geht". Zeitaufwand
erste Antriebswelle drei Stunden
mit etwas Übung eineinhalb.
Eine halbe Stunde minimum zum Entfernen des Schmierfettes aus der Werkstatt.