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Johannes Gruber
Seit 1988 Typ 44
Meine Beziehung zu der Marke mit den Vier-Ringen beruht offensichtlich auf einer frühkindlichen Prägung, war doch der erste automobile Kontakt beim Abholen aus dem Krankenhaus nach meiner Geburt ein DKW 1000 S Coupe. Diese Beziehung nahm ich wort-wörtlich in mir auf, so hatte der DKW beim Verkauf in meinem 8. Lebensjahr am Handgriff vorne rechts starke Biss-Spuren eines Kindergebisses…
Die Leidenschaft zum AUDI Typ 44 entstand Ende 1982. Ich war inzwischen 19 Jahre alt, befand mich im 2. Lehrjahr zum Werkzeugmacher und hatte bereits einige automobilen Erfahrungen mit einem NSU 1000 C (auch ein Auto aus Neckarsulm) und zwei VW T2 Bussen.
Unser damaliger Werksleiter, der bis dahin immer OPEL Rekord als Dienstfahrzeug fuhr, bekam einen der ersten neuen AUDI 100, in der Ausstattung CC und der Farbe „gambiarot“. Das alleine hätte sicher noch keine Spuren bei mir hinterlassen, wäre da nicht das Hobby des Werksleiters gewesen. Dieser Mensch war das was man einen CB-Funker nannte. So mussten wir als Lehrlinge z.B. eine mehrere Meter hohe Funkantenne für seine Dienstwohnung nach seinen Vorstellungen bauen, mit unzähligen Messingstäben, alle mit Gewinde usw. und diese dann auch noch jedes Jahr zerlegen und wieder polieren - es war eine sch... Arbeit.
Nun hatte er also einen neuen Dienstwagen und wir „durften“ ihm wieder die komplette Funkanlage inklusive einer Antenne, wie ich sie sonst nur vom DKW Munga kannte, an und in sein Auto bauen. Aber nicht nur einfach so, er hatte die klare Vorstellung, dass alles rückstandslose wieder entfernbar sein musste. Also bauten wir zig Spezialhalter, die hinter den Verkleidungen im Innenraum und hinter dem hinteren Stoßfänger befestigt wurden.
Aber irgendwie machte das an diesem Auto plötzlich Spaß und ich kann mich noch gut erinnern, wie ich am Ende unserer Umbauten in dem Auto saß und sagte:
„Einmal mit so einem Auto von Hamburg nach München über die Autobahn fahren, das wäre ein Traum“
Die Jahre vergingen, es kamen noch ein VW-Bus T2, ein VW-Passat Diesel mit unglaublichen 50 PS (lieber tot als Schwung verlieren) , dann der Aufstieg zum AUDI 80 GLS. Da es sich hierbei immer um Unfall oder aber stark verrostete Fahrzeuge handelte, die ich wieder aufbaute, war mehrmals wöchentlich der Weg zu den diversen VAG-Händlern unumgänglich. Mein Lieblingshändler in dieser Zeit (1984) war das Autohaus Rossel in Wiesbaden und zwar deshalb, weil dieser in seinem Ausstellungsraum sehr lange, ca. ein halbes Jahr, einen gut ausgestatteten AUDI 100 CD stehen hatte. Immer wenn ich ein wenig Zeit hatte, setze ich mich in dieses Fahrzeug und träumte von der Fahrt Hamburg - München… Der Verkäufer fragte irgendwann gar nicht mehr, ob er mir helfen könne - er wusste, mir war nicht zu helfen!
Es war auch erst einmal gar nicht in meiner Lebensplanung vorgesehen, solch einen Wagen zu besitzen, denn ich entschied mich nach einigen Jahren Berufsleben doch noch was aus mir zu machen und Maschinenbau zu studieren. Allerdings fehlte mir sehr schnell die praktische Betätigung bei all der Theorie und ich erinnerte mich an einen anderen Traum und restaurierte ein 74er AUDI 100 Coupe S von Grund auf. Dieses Fahrzeug habe ich noch heute.
Ende 1988 war dann auch der Studienabschluss in Sicht und Nachwuchs kündigte sich an, jetzt war es Zeit für ein ordentliches Familienfahrzeug - AUDI 100, was denn sonst und so suchte ich nach dem passenden Objekt. Natürlich ist das finanzielle Budget nach einem Studium begrenzt und so hätte ich sicher einen guten Typ 43 bekommen, aber es sollte doch ein 44er sein - Hamburg-München - Ihr wisst schon…
Aber gute und vor allem gut ausgestatte 44er kosten damals noch ein kleines Vermögen, es sei den, man suchte einen, der etwas „verbogen“ war. Denn fand ich dann auch, einen CD mit Erstzulassung 12.84, seit kurzem in zweiter Hand als TAXI und deshalb nun leider in „taxibeige“ lakiert, mit etwas über 270.000 km auf der Uhr und dem kleinen Schönheitsfehler, dass sich die A-Säule ungefähr in der Mitte des Beifahrerfußraums befand. Das Seitenteil hinten rechts hatte ebenfalls ordentlich was abbekommen, aber das Auto hatte auch etwas Gutes in Form eines gerade eingebauten neuen Komplett-Motors mit allen Anbauteilen. Den bezahlte ich dann auch und bekam den Rest quasi dazu.
Von nun an war ich wieder täglicher Gast bei meinem VAG-Händler, manche Preise habe ich noch heute im Kopf, z.B. 500,- DM für eine neue Instrumententafel, oder 250,- DM für eine Türverkleidung vorne rechts.
Einige der teuren Teile, wie z.B. den Dachhimmel, Säulenverkleidung, Sitzbezug und Türverkleidung durfte der Lagerist auch gleich 2 mal bestellen um sich das erste Teil unfreiwillig auf Lager zulegen. Was war passiert? Bei Erstzulassung 12.84 gingen wir alle davon aus, es mit einem 85er Modell zu tun zu haben. Erst die falsche Farben und Muster bei den Innenausstattungsteilen haben uns auf die richtige Spur gebracht. Leider hat sich keiner die Fahrgestellnummer genau angeschaut, da steht ein „E“.
Zu diesem Zeitpunkt war das Fahrzeug jedoch schon komplett neu lackiert. Da mir aber der original Farbton „geminigrau-met.“ nicht gefiel, da er mich immer an die verzinkte, unlackierte Karosserie erinnerte, welche jahrelang vor dem AUDI-Werk in Neckarsulm im Freien stand, suchte wir, in dem Glauben einen 85er zu haben, aus der 85er Farbpalette den Farbton „tizianrot-met.“ aus. Eigentlich zum Glück, denn keine 84er Farbe hätte mir bis heute so gut gefallen. Am Ende hatte ich 12.000,- DM in das Auto versenkt, aber ich war stolz wie Oskar.
Es gab immer wieder was an dem AUDI zu tun und zu verbessern, aber er brachte uns als Familie, meist mit Wohnwagen am Haken durch halb Europa. Im Jahr 1992 kauften wir dann unser Haus und ich baute mir einen Anhänger und fortan war der AUDI unser Baustellenfahrzeug. Er musste auf die Erddeponie, genauso wie in die Kiesgrube oder den Schuttabladeplatz. Da ich zu dieser Zeit bereits einen Dienstwagen führ, der aber zu schwach war einen Anhänger zu ziehen, beschlossen wir den Golf meiner Frau zu verkaufen und nun den AUDI neben der Nutzung als Zugfahrzeug für Bau und Urlaub, auch als „Frauenauto“ für Kind und Kegel zu nehmen. Leider ist so ein AUDI 100 kein Kleinwagen, was durch verschiedene Einschläge in Fremdfahrzeuge oder Gartenmauern deutlich wurde.
1996 entspannte sich dann die Situation, ich hatte mittlerweile ein Dienstfahrzeug, das auch als Zugfahrzeug zu nutzen war und somit hatte der AUDI 100 CD eigentlich ausgedient. Für meine Frau kauften wir einen VW Polo und es stellte sich die Frage, was anfangen mit dem AUDI? Es war die Zeit, wo maximal 1.000 DM von einem nicht ganz akzentfrei sprechenden Zeitgenossen zu erzielen gewesen wäre. Eine sehr negative Erfahrung machte gerade ein Kollege mit gleichem Modell zu jener Zeit, der für sein Fahrzeug von einem Bundesbürger, anatolischer Herkunft eine Anzahlung von 200,- DM erhalten hatte mit der Zusage, den Rest bei Abholung eine Woche später zu begleichen. Der Mann kam auch, wollte nun aber seine 200,- DM zurück, weil im das Auto doch nicht gefalle. Als mein Kollege im klar machte, nur 100,- DM zurückgeben zu können, weil auch ihm Kosten entstehen würden (Zeitungsanzeige etc.) holte der Verkäufer den Rest seiner Familie (und die war groß) und drohte das Haus meines Kollegen anzuzünden. Erst ein größeres Aufgebot der Polizei konnte das Drama beenden. Daher beschloss ich, mir das nicht anzutun und stellte den AUDI in die Ecke der zum Glück groß genug gebauten Garage.
Um den Brief nicht verfallen zu lassen, war der AUDI in dieser Zeit 2 Monate im Jahr als Saison-Fahrzeug zugelassen. In diesen Tagen machten wir dann irgendeinen Ausflug um den AUDI zu genießen, wie z.B. zu einer Werksbesichtigung nach Ingolstadt, wo ich sogar die Möglichkeit hatte ihn zusammen mit dem Forschungsauto, welches letztlich zum Typ 44 führte, zu fotografieren.
Allerdings war das Fahren immer ein mulmiges Gefühl, die Bremsleitungen sahen mittlerweile alles andere als vertrauenserweckend aus, auch die Reifen waren uralt und rissig, aber die Zeit das Fahrzeug wieder richtig in Schuss zu bringen hatte ich nicht, also meldete ich ihn Mitte 2002 vorübergehend ab, mit dem Ziel ihn Ende 2003 wieder ein paar Tage zuzulassen um den Brief nicht verfallen zu lassen. 2003 kam und ging und natürlich habe ich vergessen den AUDI wieder anzumelden. Nun stellte sich erst recht die Frage, was tun mit dem Auto. Aber irgendwie wollte und konnten wir uns nicht trennen von dem Fahrzeug. Jetzt gab es einen Plan, 2009 wird das Fahrzeug 25 Jahre alt und meine Frau und ich feiern Silberne Hochzeit, dazu sollte das Auto wieder fahrbereit sein. Also sammelte ich fortan Neuteile, immer wenn etwas Bezahlbares in unserem Lieblings-Internet-Auktionshaus auftauchte, schlug ich zu. Zusätzlich wurden in zwei Jahren hintereinander als Typ 44 VF Winterautos für meine Frau, die inzwischen AUDI-Cabrio fährt, gekauft, um so noch an das eine oder andere Extra zu kommen, welches unserem 100er fehlte, wie z.B. Klima, Leder, GRA, ABS.
Dann gab es eine Gesetzesänderung, Fahrzeugbriefe verlieren erst nach 7 Jahren ihre Gültigkeit und nach scharfem Nachrechnen, war unser AUDI 2008 erst 6 Jahre stillgelegt. Also irgendwie TÜV bekommen und wieder zulassen, um ihn dann in aller Ruhe herzurichten.
2009 sollte er ja wieder fahrbereit sein, gefahren ist er auch, aber fahrbereit war er nicht wirklich. Im Mai sind wir an einem sonnigen Tag nach Mainz gefahren und ich denke wir sind manchem Mainzer in Erinnerung geblieben. So ein alter frisch polierter AUDI, der an jeder Kreuzung riesige weiße Rauchwolken aus den Ritzen der Motorhaube speit, ist kein alltäglicher Anblick. Alle Versuche den Thermoschalter am Kühler zu brücken schlugen fehl. Die einzige Lösung war, auf dem schnellsten Weg nach Hause über die Autobahn. Aber alle Ampeln haben sich an diesem Tag unserm Auto angepasst und haben passend zur Außenfarbe auf Rot geschaltet.
Zu Hause stellte sich dann heraus, dass der Fehler in den Basteleien längst vergangener Tage in den Kabelbäumen zu finden war. Es war also unumgänglich einmal alles richtig zu machen. Pech in der Wirtschaftslage war dann das Glück für unseren AUDI. Die Zwangspause durch Kurzarbeit im Herbst und Winter 2009 versetze mich in die Lage endlich Zeit zu haben, um den AUDI auf Vordermann zu bringen. Der Unterboden wurde überholt, alle Achsteile gestrahlt, neu lackiert und mit neuen Lagern versehen. Die ABS-Anlage, wie auch die Klimaanlage wurden eingebaut. Alle Kabelbäume überprüft und ggf. erneuert. Einige wenige Rostansätze beseitigt usw.
Da der AUDI bis zu seiner H-Zulassung im Jahr 2014 wieder mit Saisonkennzeichen Mai bis Juni zugelassen ist, war dann in der ersten Mai-Woche 2010 die Zeit gekommen, die erste Fahrt zu unternehmen. Sie führte zur Achseinstellung, Klimabefüllung und TÜV - alles Bestens. Jetzt ist er wieder unter den Fahrtüchtigen und wartet auf das H-Kennzeichen.
Übrigens, beim Studium der Papiere bin ich irgendwann darauf gekommen, dass der AUDI im Juni 1984 gebaut wurde aber erst im Dezember 1984 zugelassen wurde. Auslieferndes Auto-Haus war die Fa. Rossel in Wiesbaden. Farbe, Ausstattung und Zeitraum passen zu dem Fahrzeug im Ausstellungsraum, in welchem ich immer träumte (siehe Anfang). Ich gehe daher fest davon aus, dass es sich um genau dieses Fahrzeug handelt.
Den Traum von der Fahrt Hamburg nach München habe ich jedoch nie verwirklicht. Wir waren in beiden Städten mehrfach mit dem AUDI, aber nie in direkter Verbindung. Das mag damit zusammenhängen, dass wir in der Mitte wohnen. Es wäre für mich auch heute kein Traum mehr, bei 80.000 meist Autobahn Kilometer beruflich jedes Jahr, träume ich mehr von idyllischen Landstassen bei Sonnenschein am Wochenende. Diese Gelegenheiten wird sich der AUDI 100 CD nun mit dem AUDI Coupe S und dem AUDI Cabrio teilen müssen.
Rheinbach oder Heubach ist z.B. so eine Gelegenheit, also bis dann.
Johannes Gruber