Cw-Wert Weltmeister - ausgefeilter Aerodynamik sei Dank

Auf einen bis 1982 im Großserienfahrzeugbau unerreichten cw-Wert von 0,30 durfte man bei Audi zurecht stolz sein - dies war Weltrekord! Kein anderes Großserienauto zuvor war ähnlich stömungsgünstig.

Der international vielbeachtete Paradewert Cw0,30 gilt allerdings nur für die Vierzylindermodelle mit schmaler 165SR14-Bereifung und ohne rechten Außenspiegel. Doch auch die Fünfzylindermodelle können sich mit 0,32-0,34(je nach Modellversion) durchaus positv gegenüber ihren Mitbewerbern absetzen. Zum Vergleich: Der Durchschnittswert der 1982 aktuellen PKW lag bei 0,44.
Der Wert des Audi Typ 43 bei 0,42.

Es war im Endeffekt nicht eine Maßnahme allein,die zu diesem Wert führte. Vielmehr war ein Bündel neuer Ideen und Entwicklungskonzepte ausschlaggebend.
Die einzelnen Konstruktionsmerkmale, die den Typ 44 besonders strömungsgünstig machen und teilweise ein Novum im Großserienbau waren im Detail:

  • außenbündig anliegende und rahmenlos geführte Seitenscheiben

  • Front-Heck-und Dreiecksscheiben bündig in die Karosserie eingeklebt
  • ins Dach integrierte, nicht überstehende Regenablaufrinne
  • untere Türspaltabdeckungen
  • glattflächiges Felgendesign
  • sanft ansteigende und nach hinten hochgezogene Motorhaube
  • stark geneigte Front-und Heckscheiben
  • Reserveradmulde wirkt als Diffusor(nicht Sondermodell Sport mit tiefer Reserveradmulde)
  • Frontspoiler
  • Heckspoiler
  • Dichtung zwischen Motorhaube und Frontblech und zwischen Stoßfänger und Kühlergrill/Scheinwerfern
  • strömungsgünstig verkleidete Außenspiegel

Auf der Suche nach der aerodynamisch perfekten Form beschritt man bei Audi gezielt neue Wege:
Die Konstrukteure des Audi 100/200 Typ 44 orientierten sich bei ihren Kollegen im Flugzeugbau. Die Form des Typ44 wurde nicht wie damals sonst üblich auf dem Papier entwickelt, sondern direkt in Europas größtem Windkanal. Ein der späteren Kontur des Audi 100/200 ähnlicher Styroporblock wurde in vielen hundert Stunden Detailarbeit im Windkanal kompromisslos auf seine Strömungsgünstigkeit optimiert.

Die so erarbeitete Urform der Karosseriesilouette hatte sogar einen Cw-Wert von unter 0,25. Durch die aerodynamisch ungünstigen Praxisanforderungen wie etwa Belüftungsöffnungen und Karosseriefugen waren allerdings gewisse Zugeständnisse notwendig, wobei letztlich immer noch der damals sensationelle cw-Wert von 0,30 erreicht werden konnte.

Zum besseren Verständnis am Rande: Eine Reduzierung des Cw-Wertes um zehn Prozent bringt eine Verbrauchsersparnis von etwa vier Prozent (je nach Durchschnittsgeschwindigkeit).

Die strömungsgünstige Form des Typ44 hat aber auch weitere durchaus praktische Vorteile:
Vor allem die bündig anliegenden Seitenscheiben sorgen dafür,dass die Bildung von Luftwirbeln die akustisch wahrgenommen werden,fast völlig unterbleibt. Windgeräusche sind dem Typ 44 vergleichsweise niedrig.

Der gute Cw-Wert des Typ 44 sorgt nicht zuletzt auch, gemessen an der jeweiligen Motorisierung, für vergleichsweise sehr gute Fahrleistungen. Der Audi 100 mit dem 75PS 1,8l Vierzylinder(DR) schafft eine um fünf km/h höhere Spitzengeschwindigkeit und verbraucht trotzdem rund 20 Prozent weniger Kraftstoff als sein auch schon als sparsam bekannter und mit 85PS nominell um zehn PS stärkereres Vorgängermodell Typ 43.

Der Audi 200 Typ 44 mit dem 182PS Turbomotor(KG) sicherte sich bei seinem Erscheinen 1983 mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 230km/h sogar kurzeitig den Titel der "schnellsten Serienlimousine der Welt" und deklassierte damit die teilweise doch erheblich stärker motorisierten aber dafür weniger windschlüpfrigen Mitbewerber vom Schlage einer Mercedes S-Klasse oder BMW 7er.